FREUNDSCHAFT AUF REISEN: WARUM ICH NICHT MEHR MIT FREUNDEN IN DEN URLAUB FAHRE

Gruppenreisen, gemeinsame Ferienhäuser mit Freunden und Family-Trips mögen für einige Menschen der absolute Traumurlaub sein. Warum es aber für unsere Autorin – und vielleicht auch für viele andere introvertierte Menschen – deutlich erholsamer ist, allein oder nur zu zweit verreisen.

Ich liebe Reisen – an die verschiedensten Orte und in den unterschiedlichsten Konstellationen. Ich fahre gern allein in den Urlaub, manchmal mit der Familie, am liebsten mit meinem Mann, und hin und wieder auch mit Freund:innen. Als introvertierte Person ist es für mich allerdings wichtig, dass ich ausreichend Zeit für mich habe. Denn so gern ich mit Freundinnen und Freunden – oder auch Eltern – zusammen bin, meine Akkus lade ich auf, indem ich alleine bin.

Genau deshalb ist es mir gerade beim Reisen wichtig, genügend Ruhe und Zeit allein oder nur mit meinem Mann zu haben (dem es da glücklicherweise genauso geht wie mir). In den vergangenen Jahren haben sich allerdings aus unterschiedlichen Gründen und Anlässen die Gruppenreisen gehäuft, etwa mit der Familie oder weil Freunde im Ausland geheiratet haben.

In einem Jahr machten wir beispielsweise nach jahrelangem Drängen meines Vaters eine Kreuzfahrt mit ihm und seiner Frau, kurz danach betreute ich meine pflegebedürftige Mutter eine Woche im Urlaub. Und zu guter Letzt folgte etwa einen Monat später die traumhaft schöne Hochzeit guter Freunde in Griechenland – nach der sich die restliche Zeit auf der Insel allerdings unverhofft zu einem Gruppentrip mit uns teilweise fremden Menschen entwickelte, sodass kaum Zeit für unseren eigenen Urlaub blieb.

Warum Gruppenreisen für introvertierte Menschen so anstrengend sein können

Für sich genommen waren diese Reisen auch schön, denn die Menschen, mit denen wir sie unternommen haben, sind uns wichtig, und wir verbringen gerne Zeit mit ihnen. Aber gleichzeitig war es einfach gehäuft sehr viel Zeit mit anderen und damit für introvertierte und ruhebedürftige Menschen wie uns schlicht zu viel – und darüber hinaus teilweise in Reiseformen, die wir so niemals selbst gewählt hätten (Stichwort Kreuzfahrt).

Ich bin mir grundsätzlich der Tatsache bewusst, dass die Gestaltung von Reisen und die Auswahl der Urlaubsbegleitung ein sehr privilegiertes Problem ist. Aber in meinem Leben spielt Reisen eine wichtige Rolle, wir leben in einer kleinen, günstigen Wohnung, kaufen keine teure Kleidung oder Designermöbel und gehen auch nicht übermäßig oft essen. Urlaub ist uns wichtig und darüber hinaus oft die Zeit, die ich brauche, um mich von meinem sehr sozialen und damit auch kräftezehrenden Alltag zu erholen.

Kompromisse sind wichtig – aber müssen wir uns im Urlaub völlig verstellen?

Trotzdem ist mir Zeit mit meinen Lieblingsmenschen natürlich wichtig, gerade weil einige von ihnen in anderen Städten oder Ländern leben, sodass gemeinsame Reisen oft die einzige Möglichkeit sind, Quality Time miteinander zu verbringen. Beiden Bedürfnissen – nach ausreichend Zeit mit Menschen, die mir wichtig sind, und nach ausreichend Zeit für mich, um meine Akkus wiederaufzuladen – genügend Raum zu geben, ist nicht immer leicht.

Denn gemeinsames Reisen mit anderen ist oft von Kompromissen geprägt, von unterschiedlichen Tagesrhythmen, Frühstücksvorlieben, Lautstärkegewohnheiten und Ordnungswünschen, die es miteinander in Einklang zu bringen gilt. Schließlich soll niemand sich verstellen müssen, sondern soll den Urlaub und die gemeinsame Zeit so genießen können, wie es sich für jede einzelne Person gut anfühlt.

Klingt in der Theorie gut, in der Praxis richten sich die Frühaufsteher aber in der Regel nach den Langschläferinnen und frühstücken dann eben später. Wer es gern ordentlich mag, versucht das im gemeinsamen Ferienhaus dann mal etwas lockerer zu sehen. Es gibt also meistens eine Seite, einen Typ Mensch, der mehr Kompromisse macht als andere. Und zu diesem Typ Mensch gehöre ich.

Grundsätzlich gehören Kompromisse natürlich zum Leben, wir alle müssen uns hin und wieder anpassen, an Situationen, Zeiten oder Menschen. Das ist auch gut und richtig so, anders funktioniert unsere Gesellschaft schießlich nicht. Aber die Frage ist: Wie viel Anpassung muss und will ich im Urlaub? Den wenigen Tagen und Wochen im Jahr, die ich im Idealfall nur genießen und mich von all den Dingen und Situationen im Alltag erholen möchte, in denen ich kompromissbereit und angepasst sein muss?

Nur noch kurze Trips in der Gruppe

Genau deshalb, und weil Gruppenreisen und Trips sich zuletzt so gehäuft haben, in denen die Bedürfnisse der leiseren Menschen leider oft zu kurz gekommen sind, möchte ich vorerst nicht mehr mit Freund:innen verreisen. Zumindest nicht in einen zwei Wochen langen Urlaub, auf den ich mich das ganze Jahr freue.

Deshalb ist mein Kompromiss an dieser Stelle: Vielleicht gibt es mit Freund:innen oder Familienmitgliedern bis auf Weiteres nur noch Kurztrips. So kann ich Zeit mit den Menschen verbringen, die mir wichtig sind und die ich sonst nicht so oft sehe – aber ohne, dass das Ganze völlig auf Kosten meiner Erholung geht. Und wer weiß: Vielleicht fühle ich mich ja irgendwann auch wieder entspannt genug für einen längeren Gruppenurlaub – und schaffe es dann trotzdem, auch auf meine Bedürfnisse zu achten, anstatt mich ausschließlich anzupassen.

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2026-05-20T05:13:49Z